Union Deutscher Heilpraktiker Landesverband Bayern e. V.

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Aktuelle gesetzliche Entwicklungen: Eigenbluttherapie

Ende eines bewährten naturheilkundlichen Therapieverfahrens?

Dienstag, 23. Juli 2019

In den letzten Monaten gab es vermehrt aufflammende Diskussionen in der Heilpraktikerschaft. Inhalt war die traditionelle Eigenbluttherapie. Mit Bezugnahme auf das Transfusionsgesetz (TFG) drohte die behördliche Versagung der Anwendung des altbewährten Therapieverfahrens durch HeilpraktikerInnen.

Da dies nicht diskussionsfrei hingenommen werden kann, haben sich die unter dem DDH organisierten Verbände auf eine gemeinsame Vorgehensweise geeinigt. Damit einhergehend wurde immer wieder die Bitte an alle Kollegen geäußert, nichts im Alleingang zu unternehmen. Im Falle des Zugehens einer behördlichen Versagung sollten Kollegen bitte umgehend mit dem für sie zuständigen Verband Kontakt aufnehmen, um das weitere Vorgehen zu koordinieren.

Zwischenzeitlich haben die Entwicklungen sich jedoch verschärft. Neben der (Neu)Auslegung des TFG hat der Bundestag am 6. Juni diesen Jahres das neue Gesetz für mehr Sicherheit in der Patientenversorgung (GSAV) verabschiedet. Nach dessen Inkrafttreten werden die traditionellen Eigenbluttherapien – mit Ausnahme erklärt homöopathischer Zubereitungen – unter Arztvorbehalt gestellt. Eine vollkommen unverständliche und nicht überzeugend nachvollziehbare Entscheidung. Eigenblutverfahren sind von jeher ein Teil der traditionellen Naturheilkunde. Sie wurden und werden von vielen Heilpraktikerinnen regelmäßig eingesetzt. Komplikationen sind nahezu durchwegs harmloser Natur und praktisch kaum zu befürchten. Aufgrund der Vorgehensweise sind insbesondere Infektionsgefahren für Patienten, etwa durch Verunreinigung mit Fremdblut, ausgeschlossen. Dennoch hat sich einzig die Partei Die Linke bis zum Schluss für eine Sonderregelung für Heilpraktiker eingesetzt. Deren Änderungsvorschläge wurden von allen anderen Fraktionen rundweg abgelehnt. Begründung war das vorgeschobene Argument »Patientensicherheit gehe über die Berufsausübungsfreiheit der Heilpraktiker«.

Aktuell nun wird das GSAV jedoch zeitlich nicht wie vorgesehen in Kraft treten können. Gemäß einer Meldung des Heilpraktikernewsblogs kann der Bundespräsident das neue Gesetz aktuell wegen parlamentarischer Verfahrensfehler nicht unterzeichnen. In der Folge muss der Bundestag das Gesetz nochmals abstimmen. Das ist frühestens im September diesen Jahres zu erwarten.

Das meint die UDH Bayern

Die aktuellen Entwicklungen in Bezug auf die Eigenbluttherapie sind von uns nicht nachzuvollziehen. Es handelt sich um ein bewährtes Therapieverfahren traditioneller Naturheilkunde, welches von einigen naturheilkundlich arbeitenden Ärzten, vor allem aber naturgemäß durch die Heilpraktikerschaft millionenfach und seit Jahrzehnten angewendet wurde. Anzahl der Komplikationen: Nachweislich verschwindend gering, dazu typischerweise harmlos. Ein Arztvorbehalt für dieses Therapieverfahren ist nicht durch angebliche »Patientengefährdung« zu rechtfertigen. Ebenso nicht durch das Transfusionsgesetz, dessen eigentlicher Zweck ganz sicher nicht in einer Reglementierung der naturheilkundlichen Eigenblutverfahren liegt! Auch das AMG, welches Blut- und Gewebezubereitungen unter Verschreibungspflicht stellt und damit nach Neuformulierung eine weitere Hürde für Heilpraktiker schafft*, sollte hier eigentlich keine Zuständigkeit haben. Schon der Name »Eigen-Blut« sagt sehr deutlich aus, dass ausschließlich mit dem Blut des Patienten am gleichen Patienten selbst gearbeitet wird! Wie sollte zu rechtfertigen sein, das eigene Blut eines Patienten für genau diesen Patienten unter Verschreibungspflicht zu stellen?

Aus unserer Sicht bringen die aktuellen Neuauslegungen (TFG), Änderungen (AMG) sowie die Formulierung und Verabschiedung eines gänzlich neuen Gesetzes (GSAV) – im Gegensatz zu den Behauptungen der weitaus meisten Bundestagsfraktionen, bis auf Die Linke – sehr wohl eine unverhältnismäßige und praktisch nicht zu rechtfertigende Einschränkung der Berufsfreiheit der Heilpraktikerinnen und Heilpraktiker mit sich! Die hierfür herangezogenen Argumente – »Patientensicherheit« und insbesondere angebliches »Infektionsrisiko« – sind falsch und erwecken den Eindruck künstlicher Begründungskonstruktion. Wir haben kein Verständnis hierfür! In Zukunft zu erwarten ist zudem, dass durch einen Arztvorbehalt die Menge der diese Technik praktizierenden Therapeuten empfindlich schrumpfen wird. Die Folge ist abzusehen: Ein bewährtes Verfahren traditioneller Naturheilkunde, welches auf eine sehr lange Geschichte zurückblicken kann, wird in Vergessenheit geraten. Es handelt sich aus unserer Sicht also obendrein um einen empfindlichen naturheilkundlich-kulturellen Schaden, der hier verursacht wird.

Verbesserung der Gesetzeslage im Sinne eines besseren Schutzes der Patientinnen und Patienten begrüßen wir als grundsätzlich sinnvoll und förderungswert. Ein Missbrauch dieses Themas zur Einschränkung der Therapiefreiheit der Heilpraktiker wird von uns jedoch entschieden kritisiert!

Unsere Bitte an die Heilpraktikerinnen und Heilpraktiker

Nach wie vor gilt: Bitte unternehmen Sie nichts im »Alleingang«. Stimmen Sie sich hier bitte mit dem für Sie zuständigen Verband ab! Um die derzeit schlicht unsinnigen Entwicklungen in Zukunft doch noch irgendwie auffangen zu können, braucht es unbedingt gute Koordination und Vernetzung der Kollegenschaft. Juristische »Fahrpläne« und Argumentationsketten sind bereits vorbereitet und harren Ihrer Umsetzung. Dafür benötigt die UDH, der DDH und die Arzneimittelkommission jedoch Ihre Unterstützung, ist auf die Zusammenarbeit der HeilpraktikerInnen angewiesen. Bei Fragen zu Vorgehensweisen im Einzelnen kontaktieren Sie bitte ebenfalls den für Sie zuständigen Verband.

* Die Neuformulierung des AMG bezieht sich hier auf den §13, Abs. 2b: Bisher war die Herstellung auch von verschreibungspflichtigen Arzneimitteln zur unmittelbaren Anwendung – nicht jedoch zur Abgabe – auch den HeilpraktikerInnen nicht explizit verboten. Nach Neuformulierung wird diese Praxis nun unter Arztvorbehalt gestellt. Zusammen mit der Definition von Blut- und Gewebezubereitungen als eben verschreibungspflichtig lässt sich auch hier nun ein Ausschluss der Eigenblutbehandlung für HeilpraktikerInnen ableiten.

Noch keinen für Sie passenden Verband gefunden? Sprechen Sie uns doch einmal unverbindlich an!

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